Für die Woche vom 18. – 22.05.2026
DAX
In der Vorwoche beendete der DAX den Handel bei 23.951 Punkten und gab um 1,59 % nach, im Gleichschritt mit dem Euro Stoxx 50. Zur Wochenmitte stützten noch starke Technologiewerte und solide Unternehmenszahlen, am Freitag setzte sich jedoch der Druck von steigenden Ölpreisen, höheren Renditen und neuen Inflationssorgen durch. Enttäuschte Erwartungen an das Treffen zwischen den Vereinigten Staaten und China belasteten zusätzlich, weil geopolitische und handelspolitische Risiken damit kaum abnahmen. Auf Einzeltitelebene führten Infineon (+5,72 %, Nachfrage durch Künstliche Intelligenz und höhere Prognose), Merck KGaA (+3,99 %, Prognoseanhebung bei Laborausrüstung) und Scout24 (+3,05 %, Zielerreichung und Aktienrückkauf) die Liste an. Schwächer tendierten MTU Aero Engines (-10,46 %), BMW (-9,07 %, Dividendenabschlag nach Hauptversammlung) und Rheinmetall (-8,08 %, Umsatzenttäuschung und Abstufung). Aus charttechnischer Perspektive zeigte der Markt einen gescheiterten Erholungsversuch. Nach dem Wochenhoch bei 24.493 Punkten rutschte der DAX am Freitag unter die runde Marke von 24.000 Punkten, während das Wochentief bei 23.918 Punkten den unteren Rand der Handelsspanne setzte. Oberhalb von 24.000 Punkten folgen der Vorwochenschluss bei 24.339 Punkten sowie die enge Zone aus Vortagesschluss und Wochenhoch um 24.456 bis 24.493 Punkte. Erst ein Anstieg über das 76,4-Prozent-Fibonacci-Retracement bei 24.648 Punkten würde das Bild spürbar aufhellen. Auf der Unterseite stützt zunächst das Wochentief. Darunter läge der nächste Rückhalt beim Tief vom 30. April bei 23.716 Punkten. In der neuen Woche rückt das Sitzungsprotokoll der Fed am Mittwoch in den Fokus, gefolgt von den endgültigen Verbraucherpreisen der Eurozone und den deutschen Erzeugerpreisen. Am Donnerstag folgen die Einkaufsmanagerindizes für Deutschland und die Eurozone.
Dow Jones Industrial
Der Dow Jones konsolidierte in der Vorwoche leicht um 0,2 % und gab knapp 83 Punkte ab. Er schloss bei 49.526 Punkten. Die kleineren Unternehmen kamen deutlich stärker unter Druck, so verloren der Russell 2000 und der S&P 400 Mid Cap Index jeweils 2,4 %. Die Stärke war recht konzentriert auf die großen Wachstumswerte und hier insbesondere auf Halbleiter-Aktien (+11,1 %). Aber auch Energieaktien (+6,8 %) waren sehr gefragt, nachdem das Treffen zwischen Trump und Xi keinen entscheidenden Fortschritt in den Beziehungen zwischen China und den USA erzielte. Höhere Inflationszahlen und Erzeugerpreise erzeugten Gegenwind für die US-Aktienmärkte. Die Inflationsrate erhöhte sich gegenüber dem Vorjahr um 3,8 % auf den höchsten Stand seit drei Jahren. Auch die US-Erzeugerpreise stiegen im Vergleich zum Vorjahr um 6,0 %. Dies führte zu einem Renditeanstieg bei US-Staatsanleihen, so dass die 30-jährige US-Staatsanleihe über 5 % sprang. Während S&P 500 und Nasdaq Composite in der letzten Woche noch einmal neue Allzeithochs erreicht haben, ist dies dem Dow Jones erneut nicht gelungen. Das bisherige Intraday-Allzeithoch wurde am 10. Februar mit einem Stand von 50.520 Punkten erreicht. Der Dow Jones testete zwar die psychologische 50.000-er Marke, es gelang mit 50.041 Punkten sogar ein Schlusskurs darüber, ehe weitere Gewinnmitnahmen einsetzten. Die überhitzte Markttechnik sorgte für eine Abschwächung des Momentums und bisher im Dow Jones für ein tieferes Hoch. Die heiß gelaufenen Indikatoren konnten noch nicht vollständig abgebaut werden, so dass in der kommenden Woche die Risiken an den Aktienmärkten überwiegen sollten. Wir sehen deshalb nicht viel mehr Aufwärtspotenzial als bis zum bisherigen Allzeithoch (Intraday bei 50.520 Punkten). Dieses Szenario könnte sich beispielsweise realisieren, wenn die Quartalszahlen von Nvidia am Mittwoch nach Börsenschluss den US-Märkten einen Extra-Schub geben sollten. Sollte dies geschehen, gehen wir davon aus, dass sich rasch wieder Gewinnmitnahmen, sprich ein distributives Verhalten zeigen sollte. Wir sehen gute Chancen für eine volatilere zweite Mai-Hälfte, was zu einer Konsolidierung führen sollte. Damit steigt die Wahrscheinlichkeit, dass die nächsten Unterstützungen im Bereich von 49.500, 48.759 und 48.283 Punkten ins Spiel kommen und getestet werden. Wir rechnen damit, dass auch die 38-Tage-Linie (aktuell bei 48.444 Punkten) bzw. die 50-Tage-Linie (aktuell bei 48.000 Punkten) getestet wird und halten selbst einen Test der 200-Tage-Linie perspektivisch für gut möglich.
Einschätzung
Die Markttechnik in den USA zeigt sich weitgehend überhitzt. Deshalb halten wir insbesondere dort das Aufwärtspotenzial für begrenzt und rechnen mit einer Konsolidierung und einer volatilen zweiten Mai-Hälfte. Bei europäischen Aktien sehen wir die Konsolidierung bereits weiter fortgeschritten, so dass dort eigentlich die Markttechnik das Konsolidierungsrisiko mindern sollte.