Wenn das „S“ in SaaS für „Sorgen“ steht…
Börsianer sind an Volatilität gewöhnt, doch der Abverkauf im Softwaresektor Anfang Februar war einer der schärfsten Rücksetzer der letzten Jahre. Der S&P North American Expanded Technology Software Index verlor rund 23 % seit Jahresbeginn – und es wurden Erinnerungen an das Platzen der Dotcom-Blase geweckt. Zunächst sah es nur nach einer gesunden Korrektur aus, doch die hat sich zu einer fundamentalen Neubewertung der Branche ausgeweitet. Das Paradoxe daran ist die Diskrepanz zwischen der Marktstimmung und der operativen Stärke der Unternehmen. Die jüngsten Quartalszahlen von Branchengrößen wie ServiceNow, SAP und Microsoft waren nämlich keineswegs katastrophal. Im Gegenteil: Die meisten S&P 500 Softwareunternehmen haben die Gewinnerwartungen geschlagen, oft mit zweistelligem Umsatzwachstum – also mehr als solide. Nur „solide“ reicht aber derzeit nicht mehr aus. Schon kleine Enttäuschungen bei den Wachstumsraten haben teils brutale Kursstürze ausgelöst.
Getrieben wird die Panik primär von „KI-Angst“. Wurde die Künstliche Intelligenz bis Jahresende als Wachstumsmotor gefeiert, nimmt nun die Sorge vor einer strukturellen Disruption zu. Berichte über neue KI-Agenten, die Aufgaben traditioneller Softwareplattformen autonom übernehmen könnten, lassen Anleger an der Langlebigkeit etablierter Geschäftsmodelle zweifeln. Budgets werden zunehmend von Applikations-Software hin zu physischer KI-Infrastruktur umgeleitet – mit drastischen Folgen: Der Abverkauf Anfang Februar hat rund 2 Billionen US-Dollar an Marktkapitalisierung vernichtet und zu Bewertungen geführt, die wir seit der Finanzkrise 2009 nur selten gesehen haben.
Zwar sind Gewinne und Umsätze kontinuierlich gestiegen, die Erwartungen an die Kursentwicklung im Sektor jedoch gleichzeitig um mehr als 10 Punkte gesunken. Das traditionelle Aufgeld von Softwareaktien gegenüber dem breiten Markt liegt mittlerweile nur noch bei ca. 10 %. Wir beobachten derzeit eine klassische Kapitulation in zwei Phasen: Erst wurden die Wachstumsstorys hinterfragt, nun erfolgt ein wahlloser Ausverkauf über den gesamten Sektor hinweg.
Dieses Umfeld bietet jedoch auch Chancen. Indikatoren wie der „Relative Strength Index“ (RSI) signalisieren eine massive „Überverkauftheit“. Historisch waren dies oft attraktive Einstiegszeitpunkte – und für mutige Investoren eine Chance, Unternehmen mit hohen Margen und niedriger Verschuldung zum Discountpreis einzukaufen.