Kevin Warsh verändert die Kommunikation der US-Notenbank
Die US-Notenbank hat in ihrer Sitzung Ende Juli den Leitzins bei 3,50 bis 3,75 % belassen. Interessant ist, was dabei alles nicht gesagt wurde: Der alte Fed-Chef Jerome Powell gab stets eine Einordnung der Daten und einen Hinweis auf die Bedingungen für den nächsten Schritt. Diesmal wich die Erklärung des Offenmarktausschusses gegenüber Juni nur um ein einziges Wort ab, und in der Pressekonferenz gab es keinen Hinweis auf den weiteren Zinspfad.
Prompt liefen am Anleihemarkt die Laufzeiten auseinander: Zweijährige Papiere rentierten zwei Tage nach der Sitzung nahezu wie zuvor. Anders die langlaufenden Anleihen: Die zehnjährige Rendite stieg auf 4,75 %, die dreißigjährige auf 5,28 % und damit auf den höchsten Schlussstand seit Juni 2007. Der Renditeabstand zwischen zwei und dreißig Jahren vergrößerte sich von 82 auf 98 Basispunkte.
Die Anleger verlangen einen größeren Ausgleich für die Folgejahre. Mehrere Marktteilnehmer sehen darin ein Zeichen, dass die Glaubwürdigkeit der Fed gelitten hat. Warsh hat die sogenannte „Forward Guidance“ abgeschafft, also die bisherigen Hinweise auf den Zinspfad. Sein Argument: Investoren sollen wieder die Wirtschaft bewerten, nicht die Notenbank. Und die Märkte hätten ihre Arbeit erledigt. Ökonomen halten dagegen, dass die Zinsmärkte nicht einpreisen, was die Fed tun sollte, sondern was sie voraussichtlich tun wird. Sagt sie weniger, kommen schlechtere Signale zurück.
Die Reaktionen zeigen genau dieses Problem: Eine Woche vor der Sitzung preiste der Terminmarkt noch eine Wahrscheinlichkeit von 82 % für eine Zinserhöhung im September ein. Danach lag sie nur noch bei 60 %. Zudem berichtete die New York Times kürzlich, Kevin Warsh wolle die Zahl der regulären Fed-Sitzungen von bislang acht pro Jahr reduzieren. Damit gäbe es auch weniger feste Termine für Kurskorrekturen.
Für Anleger ist weniger entscheidend, ob die Fed die Zinsen im September anhebt oder nicht. Entscheidender ist, dass sie weniger Orientierung gibt und dass die Erwartungen an den Zinspfad deshalb stärker auseinandergehen. Was die Fed nicht mehr sagt, preist der Markt nun täglich selbst, und das treibt die Unsicherheit am langen Ende der Renditekurve. Darunter leiden zunächst vor allem hoch bewertete Wachstumsaktien – denn höhere Zinsen drücken stärker auf den Barwert künftiger Gewinne.