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Kapitalmarkt-News aus erster Hand – die Experten der Fürst Fugger Privatbank informieren: Der KI-Boom braucht Glas, Kabel und Kühlung

Wie klassische Industrien vom Bedarf der KI-Welt profitieren

Die jüngsten Partnerschaften von KI-Riesen wie Nvidia zeigen: Um zu wachsen benötigen KI-Firmen Glasfaser, Kühlwasser, Stromkabel und Transformatoren. Diese industrielle Wertschöpfungskette wird bisher aber noch kaum mit KI assoziiert. Einige Zahlen der internationalen Energieagentur illustrieren die Dimensionen: Danach stieg der weltweite Stromverbrauch von Rechenzentren allein 2025 um rund 17 % an und dürfte bis 2030 etwa 3 % des globalen Stromverbrauchs ausmachen. Der Verbrauch KI-fokussierter Rechenzentren stieg 2025 sogar um rund 50 %. In den USA könnten Rechenzentren bis 2030 etwa die Hälfte des zusätzlichen Strombedarfs ausmachen.

Nach der reinen Rechenleistung rücken daher die Voraussetzungen dafür in den Vordergrund, wie zum Beispiel Stromanschlüsse, Transformatoren, Schaltanlagen, Flüssigkühlung, Hochgeschwindigkeitsnetzwerke oder Glasfaser. Kühlung wird vom technischen Detail zur Wachstumsfrage, weil moderne Rechenanlagen Leistungsdichten erreichen, bei denen klassische Luftkühlung zunehmend an Grenzen stößt: Wer mehr Rechenleistung auf kleinerer Fläche betreiben will, braucht nicht nur bessere Chips, sondern auch neue Kühlkonzepte.

Auch die Datenbewegung selbst wird strategisch. KI-Cluster aus tausenden Grafikprozessoren (GPUs) müssen mit hoher Bandbreite und niedriger Latenz miteinander kommunizieren, um ihre Leistung nutzbar machen zu können. Photonik und Glasfaser werden so zu zentralen Bausteinen der KI-Wertschöpfungskette. Die Breite dieser Entwicklung zeigt sich an Unternehmen aus sehr unterschiedlichen Branchen. Schneider Electric profitiert etwa von der Nachfrage nach Stromverteilung, Rechenzentrumsinfrastruktur und Flüssigkühlung. Vertiv verbindet Stromversorgung und Kühlung in einer integrierten Rechenzentrumsplattform. Corning liefert optische Konnektivität und hat eine langfristige Vereinbarung mit Meta geschlossen. Prysmian zeigt schließlich, dass die KI-Infrastruktur zwei Netze braucht, nämlich eines für Elektronen (Stromnetz) und eines für Photonen (Datenfluss).

Der KI-Zyklus wird breiter, industrieller und kapitalintensiver als die Schlagzeilen rund um Chips und Modelle vermuten lassen. Klassische Industrien wie Kabel, Glasfaser, Stromtechnik, Gebäudetechnik und Kühlung werden plötzlich Teil einer Wachstumsstory, die ihnen lange nicht zugeschrieben wurde. Gleichzeitig warnen wir vor Übertreibungen: Viele Titel sind bereits stark gestiegen, in den Bewertungen ist Optimismus enthalten, und Genehmigungen, Netzanschlüsse, Wasserverbrauch oder Effizienzgewinne neuer Chips könnten den Ausbau bremsen. Die genannten Unternehmen sind daher lediglich Veranschaulichungsbeispiele und keine Kaufempfehlungen. Wer jedoch den KI-Zyklus verstehen will, sollte nicht nur fragen, wer rechnet, sondern auch, wer Leitungen bereitstellt, wer kühlt und wer mit Strom versorgt.

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